Termine und Mitteilungen

Bis: Samstag, 30.12.2017

JSG-Flyer

In der Rubrik "Aktuelles" findet sich zur ersten Information über unsere Schule der JSG-Flyer zum Download

Bis: Samstag, 10.02.2018

Anmeldungen am JSG

Die Anmeldungen am JSG finden vom 05.02. bis 08.02.2018 statt. Um lange Wartezeiten zu vermeiden, vereinbaren Sie bitte vorher einen Termin (möglich am Elterninformationsabend, 24.01.2018, oder am Schnuppertag, 27.01.2018).
Montag, 05.02.2018, 9-12 Uhr und 15-17 Uhr / Dienstag, 06.02.2018, 9-12 Uhr und 15-17 Uhr /
Mittwoch, 07.02.2018, 9-12 Uhr und 15-18 Uhr /
Donnerstag, 08.02.2018, 9-12 Uhr
Für die Anmeldung sind folgende Unterlagen erforderlich:
Geburtsurkunde oder das Familienstammbuch,
das letzte Zeugnis der Grundschule,
Original-Anmeldeschein (aus der Grundschule),
das ausführliche Empfehlungsschreiben der abgebenden Grundschule,
ggf. Sorgerechtsbescheid und Einverständnis-erklärung bei beiderseitigem Sorgerecht getrennt lebender Eltern.
Die Anmeldung erfolgt im Rahmen eines persönlichen Gespräches mit Ihnen. Das Kind kann gerne auch an diesem Gespräch teilnehmen, die Anwesenheit ist aber nicht zwingend erforderlich.

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Julius Stursberg

 

Julius S.

 

Ein junger Ratsherr zeigt einer Gruppe von Interessenten die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Die folgende Szene aus seiner Führung ist frei erfunden und doch wahr.

„Hier, meine Damen und Herren, befinden wir uns vor dem Schulzentrum. Das Gebäude zur linken Hand ist die Theodor-Heuss-Realschule, das Gebäude zur Rechten die Haarbeck-Schule, eine Hauptschule. Der Komplex direkt vor uns ist das Julius-Stursberg-Gymnasium. Es war zunächst gar nicht mit eingeplant, weil es im Stadtteil Neukirchen schon existierte, damals unter kirchlicher Trägerschaft. Als die Schule in unsere Trägerschaft überging, wurde sie an dieser Stelle, zwischen Real- und Hauptschule, neu errichtet. Die Ansprache zum Richtfest hielt der damalige Bundespräsident Walter Scheel.“

„Entschuldigen Sie, dass ich unterbreche: ich weiß, wer Theodor Heuß war, aber wer war Haarbeck, und wer Stursberg?“

„Theodor Haarbeck war ein Bürgermeister der einstmaligen Dorfgemeinde Neukirchen, ein Mann, der sich besondere Verdienste um die Förderung der Jugend erworben hat. Wer Julius Stursberg war? Ich weiß es nicht, wie ich zu meiner Schande gestehe. - Aber da kommt Herr X, ein Lehrer des Gymnasiums. Er kann uns sicher Auskunft geben.“

„Herr X, bitte sagen Sie uns doch, wer Julius Stursberg war!“

„Tut mir leid, Sie stoßen in eine Bildungslücke. Ich weiß es auch nicht.“

Wer war dieser weithin vergessene Mann?

Die Antwort verknüpft seinen Namen mit der Schule auf die natürlichste Weise. Er war der Gründer. Die weitere Nachfrage führt uns in die ersten Jahre der „Neukirchener Waisen - und Missionsanstalt" zurück (heute getrennt in „Ev. Kinderheimat“ und „Neukirchener Mission“):

Der Neukirchener Pfarrer Ludwig Doll hatte im Jahre 1878 im kleinsten Rahmen (3 gemietete Zimmer im Dorf) und im Vertrauen auf Gottes Durchhilfe ein Waisenhaus gegründet, um verwaisten Kindern, die nicht in Familien unterzubringen waren (wie es Andreas Bräm, der Gründer des Erziehungsvereins, praktizierte) , ein Zuhause zu schaffen. Als 1880 der Grundstein des noch heute bestehenden Waisenhauses (Gartenstraße) gelegt wurde, äußerte L. Doll bereits den Wunsch, auch eine missionarische Arbeit zu beginnen. Insbesondere in Hinblick auf diese Vorhaben wünschte er sich einen jungen Kandidaten der Theologie als Mitarbeiter an seiner Seite. Julius Stursberg (aus Dahlhausen bei Lennep) wurde dieser Mitarbeiter, ganz gegen seinen Willen, wie er schreibt, aber durch wunderliche Fügungen gedrängt.

L.Doll übertrug ihm die Ausbildung der „jungen Brüder“, die sich für den Dienst in der Neukirchener Mission entschieden hatten. Im Jahre 1882 konnte ein leerstehendes, früheres Wirtshaus in der Hofstraße zur Unterbringung und Unterrichtung der angehenden Missionare angekauft werden (die heutige Apotheke). Ein Jahr später erlag L. Doll einem alten Lungenleiden. J. Stursberg trat als der Leiter des Werkes an seine Stelle (später heiratete er die Witwe des Verstorbenen mit ihren Kindern). Er war es auch, der die Brücken zu den Missionsgebieten in Deutsch-Ostafrika (Tansania) und Java schlug.

Die Schule, de später seinen Namen tragen sollte, erwuchs, wie alles in diesem Werk, aus kleinsten Anfängen. Als vorausblickender Mann erkannte der Gründer die Aufgabe, die daheimbleibenden Kinder der Missionare in Obhut zu nehmen und für ihre Bildung im christlichen Geist des Werkes zu sorgen. In einem Nebengebäude des Missionshauses (Bäckerei v. Hagen) wurde 1906 eine lateinlose Realschule für Mädchen und Jungen mit der ersten Sexta eröffnet. Sie ergänzte eine schon vorhandene „höhere Mädchenschule“, die Elisabeth Doll, die Tochter des Anstaltsgründers, im familiärem Stil geleitet hatte. Der hinzugekommenen Jungenschule wurde alsbald ein Internat angefügt.

J. Stursberg dachte aber nicht nur an Missionskinder. Die Schule sollte allen Kindern aus bewusst christlichen Elternhäusern offen stehen. Dazu aber war ein Neubau erforderlich, groß genug, um Schule und Internat unter einem Dach zu vereinigen. Viele Spenden und Stiftungen trugen dazu bei, dass schon 2 Jahre später das neue Gebäude in der Bruchstraße (heute abgerissen; die Erweiterungsbauten wurden vom „Christl. Jugendwerk“ übernommen) bezogen werden konnte. Hier wurde die Arbeit unter dem Namen „Rektoratschule“ fortgesetzt.

Auf freiwilligen Zuwendungen basierte auch der Schulbetrieb. In demselben Gottvertrauen, auf das schon L. Doll gesetzt hatte, verzichteten die Lehrer - ihre Zahl stieg schnell an - auf ein festes Gehalt. Wir mögen eine solche Dienstverpflichtung als unzumutbar empfinden, sollten aber wissen, dass es gerade dieses im wirtschaftlichen Risiko angesiedelte Gottvertrauen war, das Lehrer und Schüler wie zu einer großen Familie verwachsen ließ (erst 1940 führten die Bemühungen des damaligen Bürgermeisters Neumann zu einer festen Gehaltsregelung).

Die Schüler durchliefen die Klassen 5 bis 9, die Jahrgangsstufen 5 und 6 in Koedukation, 7 bis 9 in getrennten Mädchen- und Jungenklassen. Zum Erwerb der Mittleren Reife mussten sie die Jahrgangsstufe 10 in Moers absolvieren, die Mädchen am Lyceum (Grafschafter Gymnasium), die Jungen am Adolphinum. 1946 kam unter kommunaler Trägerschaft die Klasse 10 hinzu. 1954 wurde die Schule zur Anstalt des Kirchenkreises reprivatisiert und zum Gymnasium mit Abiturabschluss ausgebaut.

Die Frage „wer war Julius Stursberg?“ gilt sicher auch einer Persönlichkeit. Er war, anders als der mehr emotional bewegte L. Doll, ein Mann des Verstandes und vielseitiger Bildungsinteressen (Zeugnisnoten in Religion und Mathematik „vorzüglich“; Liebhaber der alten Sprachen, Latein, Griechisch, Hebräisch; Kenntnisse in den orientalischen Sprachen Chaldäisch, Arabisch, Syrisch). Für seine Fähigkeit, Wege zu weisen und Geplantes ins Werk zu setzen, ist die Gründung der Schule nur ein Beweis unter anderem. Der Ernst seines Wesens, der mit einer fröhlichen Glaubensgewissheit durchaus harmonierte, geht auch auf Erfahrungen einer schweren Jugendzeit zurück. Fünfzehnjährig verlor er seinen Vater, der ein Tuchgeschäft besaß. Um seine Mutter zu entlasten führte er die Geschäftsbücher. Ein Jahr nach seinem schweren Verlust starb auch seine Mutter, nachdem er schon am Grabe seiner meisten Geschwister, acht von neun, gestanden hatte. Bis zu seinem Abitur verdiente er sich seinen Lebensunterhalt - das Geschäft wurde aufgelöst - als Hauslehrer in einer Barmer Kaufmannsfamilie. Noch als Student der Theologie (Leipzig, Straßburg, Tübingen, Bonn) geriet er, infolge geistiger Überarbeitung, selbst an den Rand des Grabes (Lungenbluten). Trotz seiner vollständigen Genesung war ihm ärztlicherseits eine ständige Rücksichtsnahme auf seine Gesundheit verordnet.

Der theologisch interessierte Leser fragt wohl auch, welchen Standpunkt J. Stursberg im damaligen Streit zwischen philosophisch kritischer und orthodoxer Theologie vertreten hat. Vielleicht darf man die Antwort, die sehr zu differenzieren wäre, doch auf einen Nenner bringen: J.Stursberg hat in einer skeptischen Offenheit gegenüber beiden Richtungen darauf gesetzt, dass die Wahrheit eines biblisch orientierten Glaubens in Entscheidungen des Glaubensgehorsams sich erweise. Er erprobte „die Freiheit, die uns aus dem Unverfügbaren zuwächst“.

Sein Grabstein steht, fern von Neukirchen, auf dem Missionsfeld in Java. Dort starb er am 4.Oktober 1909 während einer Inspektionsreise an Malaria.

H.-G. Böttcher; 1989

 

 



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